Unser Antrag zur gemeinwohlorientierten Vergabe städtischer Grundstücke wurde im Juni 2026 vom Stadtrat mit großer Mehrheit abgelehnt. Wir bleiben dran – und erklären, warum.
Vgl. Ratsvorlage VO 2021-26/0967.001
Gestalten statt Reagieren
Häufig läuft es so: Ein Investor kommt auf die Stadt zu. Er hat eine Idee, eine Finanzierung, einen Zeitplan. Die Stadt prüft – und sagt „ja“ oder „nein“. Manchmal dreht sich der Spieß um: Die Stadt braucht Geld aus einem Grundstücksverkauf und wendet sich an die bekannten Akteure. Auch das ist nachvollziehbar.
Aber beides ist kein Stadtentwicklungskonzept. Es ist eine Reaktion.
Was wäre, wenn wir es andersrum machen würden? Wenn die Stadt selbst eine klare Vorstellung davon hätte, was auf ihren Grundstücken entstehen soll – und dann gezielt auf die Menschen und Gruppen zugeht, die genau das umsetzen können und wollen?
Genossenschaften. Baugruppen. Soziale Träger. Projekte, in denen Jung und Alt zusammenleben, in denen Geflüchtete integriert werden, in denen ein Gemeinschaftsgarten und ein Repair-Café nicht das Sahnehäubchen sind, sondern einfach dazugehören.
Solche Projekte entstehen nicht von allein. Und sie entstehen erst recht nicht, wenn Grundstücke an klassische Investoren vergeben werden. Denn wer eine Rendite erwirtschaften muss, dem sind von vornherein die Hände gebunden – egal wie die Absichten sind.
Unser Antrag
Wir haben beantragt, dass Buchholz sich eine klare Richtlinie gibt. Wenn die Stadt ein Grundstück verkauft oder vergibt, soll nicht der Preis allein entscheiden – sondern die Qualität des Konzepts. Wer baut für wen? Was entsteht langfristig? Was nützt dem Quartier?
Konkret haben wir vorgeschlagen:
- Konzeptvergaben statt reiner Preisgebote
- Erbbaurechte als Instrument, um städtischen Boden dauerhaft in kommunaler Hand zu halten
- Verkäufe mit vertraglichen Bindungen, die langfristige Nutzungsziele sichern
- Eine Vorratsstrategie, durch die die Stadt künftig Spielraum zur Gestaltung hat
- Transparente, politisch begleitete Verfahren
Die Verwaltung hat nachvollziehbar dargelegt, dass bei Grundstücksverkäufen heute durchaus auf die Nutzung geachtet wird. Das zweifeln wir nicht an. Aber zwischen „wir schauen im Einzelfall hin“ und „wir haben eine klare Strategie“ liegt ein großer Unterschied. Und Einzelfallentscheidungen werden – das wissen wir aus der Praxis – stark geprägt durch den Druck, der gerade dahinter steckt: Förderfristen, fertig ausgearbeitete Investorenpläne, der Rhythmus der Ratssitzungen.
Wie geht es weiter?
Buchholz wird weiter wachsen. Weitere Grundstücke werden verkauft, weitere Flächen entwickelt. Die Fragen, die wir uns stellen müssen, sind daher: Wie stark wollen wir wachsen – für wen, und wie wollen wir zusammenleben?
Wenn wir diese Entscheidungen dem Markt überlassen, bekommen wir klassische Quartiere und Nachverdichtungen. Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser. Aber keine nachhaltige Entwicklung, keine Antwort auf Einsamkeit, keine anderen Formen des Zusammenlebens.
Unser Antrag ist gescheitert. Wir nehmen das zur Kenntnis – und bleiben an dem Thema dran. In der kommenden Wahlperiode greifen wir ihn erneut auf. Denn die Frage, wie Buchholz mit seinen eigenen Flächen umgeht, wird in den nächsten Jahren nicht kleiner werden.
Wer sich für das Thema interessiert, findet hier weiterführende Informationen und Inspiration:
Netzwerk Immovielien – Immobilien von Vielen für Viele: www.netzwerk-immovielien.de
Nationale Stadtentwicklungspolitik – Magazin und Blogbeitrag zu gemeinwohlorientierter Bodenpolitik:
Forum Gemeinschaftliches Wohnen – bundesweites Netzwerk für neue Wohnformen: www.fgw-ev.de

